Post #03 vom 16.Jan.2023

Dieses Zitat oder besser dieser Rat der Alcoholics Anonymous (AA) beschreibt den Moment, indem jemand, der keinen Alkohol trinken möchte, sollte oder darf ein Angebot für einen Drink ablehnt. Das unterstütze ich. In den meisten anderen Fällen empfehle ich mehr als diese einsilbige kategorische Ablehnung.

In meinem Post dieser Woche geht es um das spannende Wort NEIN. Warum haben wir so viel Angst NEIN zu hören, warum fällt es uns so schwer konstruktiv NEIN zu sagen.

Die Angst vor dem Nein

Fragt man Sprachwissenschaftler, so erfährt man, dass NEIN eines der Worte ist, vor dem die Menschen mit die größte Angst haben es als Antwort auf eine eigene Bitte zu hören. Gleichzeitig ist NEIN eines der Worte, dass Menschen am meisten bereuen nicht gesagt zu haben als sie es sagen wollten oder hätten sagen sollen und stattdessen JA sagten.

Als Kinder hören wir deutlich mehr NEINs von unseren Eltern und unseren Lehrern als JAs. Das tut weh, denn unsere Bitten und Wünsche werden damit abgelehnt. Für viele ist es darüber hinaus leider immer noch mit der Androhung von Strafen verbunden.

Gleichzeitig erfahren wir unermüdlich, dass wir selbst nicht NEIN sagen sollen, nicht zu den Eltern, nicht zu den Lehrern und zu den Tanten und Onkels auch nicht. Als ich in den 80ger Jahren In Japan lebte, war es sozial gerade zu verboten überhaupt NEIN zu sagen.

Es ist also nicht verwunderlich, dass wir uns als Erwachsene schwer tun dem Vorgesetzten, Partner.in oder Freund .in NEIN zu sagen. NEIN fällt nur dann deutlich leichter wenn es von oben nach unten erfolgt. Im Beruf von oben die Hierarchie nach untern, bei den eigenen Kinder, zumindest, bevor sie in die Pubertät kommen. Diese von oben nach unten NEINs sind gefährlich, denn sie funktionieren häufig nur, da sie die Androhung negativer Konsequenzen im Gepäck haben. Das hilft der Beziehung und in der Regel auch der Sache nicht. Psychologen mutmaßen, dass solche NEINs einer der Gründe sein könnten für die aktuell so verbreitete innere Kündigung und den Präsentismus.

Stattdessen werden wir erzogen JA zu sagen. JA ist einfach, sozial erwünscht und wird von anderen und uns selbst immer gern gehört. Deswegen sagen wir und andere so häufig JA wenn wir eigentlich hätten NEIN sagen wollen oder sollen. JA ist so viel einfacher.

Eine Variante des NEINs ist es zu schweigen, in der Hoffnung, dass der andere das Schweigen als NEIN versteht. Später müssen wir dann häufig erleben, dass unser Schweigen ganz im Gegenteil als Zustimmung gewertet wurde und wir sitzen in der Falle.

Wenn wir es einmal schaffen NEIN zu sagen, erfolgt es häufig mit viel Wut im Bauch. Der Gegenüber empfindet unser NEIN als Angriff auf die eigene Person und die Eskalationsspirale beginnt sich zu drehen. Zur Lösung des Konflikts und einer Verbesserung der Beziehung kommt es nicht. Im Gegenteil. Die Beziehungen leiden und zerbrechen irgendwann, in seltenen Fällen kommt es sogar zu Mord und Totschlag. Für viele noch ein guter Grund lieber JA statt NEIN zu sagen.

Richtig NEIN sagen

Das Haward-Konzept des Verhandels kennt fünf Prinzipien. Eines davon, wie ich finde das Wichtigste und gleichzeitig auch das Schwierigste, lautet

Trenne Sache und Person

Es ist quasi das Fundament, ohne das nichts in der Kommunikation funktionieren kann. In dem Moment wo wir verstehen, das unser NEIN nicht der Person gilt, sondern der Sache, also dem an uns gerichteten Wunsch, der Bitte oder der Forderung, eröffnet sich eine neue Welt. Das gilt natürlich auch für die NEINs, die wir hören.

NEIN bedeutet lediglich, dass ich genau hier und jetzt Deine Bitte oder Forderung genau so wie Du es möchtest, nicht erfüllen kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht aber Morgen, vielleicht auf eine andere Weise. Statt der platten Absage wird NEIN damit idealerweise zum Beginn einer sachlich konstruktiven Diskussion über die Möglichkeiten, dem anderen das zu geben was er oder sie will, ohne dabei die eigenen Werte und Wünsche über Bord zu werfen.

Das NEIN so zu formulieren, dass es der Sache und nicht der Person gilt, beinhaltet vier Schritte:

  1. JA, ich verstehe Dein Anliegen in der Sache.
    Es hilft, das Gehörte zu paraphrasieren, also mit eigenen Worten wiederzugeben. Oft werden so Missverständnisse von Anfang an vermieden. Auf jeden Fall steigen die Chancen, dass man über die gleiche Sache redet.
  2. JA, ich verstehe Dich als Person.
    An Deiner Stelle würde ich (vielleicht) genau die gleiche Bitte oder Forderung stellen. Das ist das unglaublich wichtige JA zur Person, das verhindern kann, das es persönlich wird. Zu versuchen den anderen zu verstehen, ist das Schwierigste. Und NEIN, verstehen heißt nicht zustimmen.
  3. NEIN ich kann Dir Deinen Wunsch genau so, wie Du es möchtest, genau hier und jetzt nicht erfüllen.
    Das ist das NEIN in der Sache. Nicht hier, nicht jetzt und nicht wie Du es Dir vorstellst. Und dieses NEIN in der Sache gilt es durchzuhalten, unter allen Umständen.
  4. STATTDESSEN könnte ich mir vorstellen, dass …
    STATTDESSEN ist der Gamechanger und hilft ungemein beim Durchhalten. Es verändert den Fokus. Nicht mehr das was der oder die anderen will, sondern dass was ich geben kann rückt in den Mittelpunkt. Es wird auch klar, dass ich helfen möchte, denn ich mache einen konkreten Vorschlag wie es gehen könnte. Jetzt ist erstmal der andere wieder dran und wer weiß, vielleicht ist es so schon genug.

Hilfreich ist oft auch ein Zwischenschritt zwischen Punkt zwei und drei. Es ist völlig legitim, wenn auch für viele überraschend, erst einmal ein paar Fragen zum Was genau und Warum zu stellen. Lass mich besser verstehen was genau Du von mir willst und was genau Du damit erreichen willst. Das hilft mir, Ideen zu entwickeln wie ich Dir helfen kann. Ich garantiere Überraschungen.

Auf diese Weise NEIN zu sagen und es zu hören ist nicht leicht. Ich muss dem anderen zuhören, mich in seine Lage versetzen und mir vorstellen können, dass aus seiner oder ihrer Sicht die Bitte berechtigt ist. Ich muss auch darüber nachdenken, wie ich dem anderen helfen kann. Das setzt wiederum voraus, dass ich helfen möchte, was, aus meiner Sicht, immer ein gute Idee ist. Schließlich kostet es Zeit, die ich mir nehmen wollen möchte.

Ich nutze diese Methode jetzt schon einige Jahre und komme wirklich gut damit zurecht. Ich habe keine Angst, NEIN zu sagen, wenn ich NEIN sagen möchte oder sollte. Die Menschen, die mich kennen, haben gelernt, dass ein NEIN zu mir und von mir nicht einfach NEIN bedeutet. Bei manchen habe ich den Eindruck, sie überlegen es sich inzwischen zweimal bevor Sie mich um etwas bitten. Gut so! Die, die es tun, wissen oder erfahren, dass ich gerne helfe und zwar genau so wie ich es hier und jetzt kann. Meistens finden wir eine Lösung, mit der wir beide gut zurechtkommen und darum geht es schließlich.

Wie viele Dinge ist auch NEIN zu sagen ziemlich einfach und gleichzeitig ganz und gar nicht leicht. NEIN sagen können und mit NEINs konstruktiv umzugehen ist eine wichtige und wenig verbreitete Kompetenz. Unter den Konsequenzen leidet der einzelne und damit auch der Erfolg des ganzen Teams. In meinen Trainings ist das Üben NEIN zu sagen und zu hören, ein fester Bestandteil. Es funktioniert, da die Teilnehmer es in dem geschützten Raum des Trainings angst-, da folgenfrei ausprobieren können. Sie sammeln Erfahrungen sammeln und vor allem üben sie es. Üben ist einer der Schlüssel für Veränderung. Tatsächlich lachen wir ganz oft dabei und das freut mich besonders.

Nein zu sagen, wenn wir es wollen oder sollten, fühlt sich gut an. Und unser Körper dankt es uns. Umgekehrt klappt das NEIN sagen und vor allem das Durchhalten deutlich besser, wenn der Körper mitmacht. In unserem Training „Ich bin ok …. und Ihr seid nicht ok“ spielt dieses Zusammenspiel von Kopf und Bauch eine wichtige Rolle. Wenn Sie also aktuell über ein Training für Ihr Team nachdenken, ist dieses Training, dass ich gemeinsam mit Agnes Herzog anbiete, vielleicht eine gute Idee. Agnes Herzog berät Unternehmen im Bereich Betriebliche Gesundheitsförderung und gesunde Performance-Kultur.

Oder Sie versuchen es einfach selbst einmal mit JA – JA – NEIN – STATTDESSEN. Und lassen Sie mich wissen wie es Ihnen damit ergangen ist.

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